Der Papst und der Islam

Papstbesuch macht nachdenklich

Während die Medien unisono den Papstbesuch bejubeln, bleibt bei mir ein doch eher fahler Nachgeschmack. Ja, ich gebe zu, ich habe schon den Hype bei seiner Wahl zum Papst, den es hier in Deutschland gab, nicht verstanden. Aber man kann jetzt wohl kaum ernsthaft behaupten, dass er in der Lage ist, die richtigen Worte für die Jetzt-Zeit zu finden (wie es lt. diesem Pressespiegel doch viele Kommentatoren tun).

Auch wenn es richtig ist, darauf hinzuweisen, dass Religion gewaltfrei sein muss (hier die Dokumentation der Rede), ist es schon fast arrogant, dass dies als Abgrenzung vom Islam (Zitat: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden…“) von jemand vorgenommen wird, der in der geschichtlichen Tradition einer Kirche steht, die vor einiger Zeit auf den Kreuzzügen für milionenfaches Leid gesorgt hat. Das mag jetzt manchen richtig ärgern, aber wenn Benedictus sich auf die Zeit rund um 1400 bezieht, dann sollte man den Kontext dieses Dialoges nicht vergessen.

Kritik ja, Gewalt nein

Insofern ist es richtig, wenn ein ZEIT-Kommentator davon spricht, dass der Dialog der Kulturen durchaus mit Härte geführt werden sollte. Aber wenn er lediglich von Nonchalance spricht, die sich der Papst nicht erlauben sollte, ist dies in meinen Augen der falsche Schluss. Vielmehr sollte ein Papst, der einer Kirche mit großen Höhepunkten, aber auch schwarzen Zeiten in ihrer Geschichte vorsteht, mehr Respekt vor anderen Religionen beweisen.

Dies alles rechtfertigt natürlich nicht irgendwelche Gewaltausbrüche oder Aufforderungen zum Kniefall an den Papst. Hier entlarven vielmehr einige Scharfmacher, dass Gewalttätigkeit tatsächlich ein Problem der islamischen Glaubensgemeinschaft ist, dem sie Herr werden muss!
Bei der Debatte um die Auswirkungen auf den Dialog der Religionen kommt aber ein interessanter Aspekt zu kurz, der in der Technology Review beleuchtet wird: Der Konflikt zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und theologischer Ausleuchtung der Welt. Hier scheint der Papst entschlossen zu sein, den Kampf aufnehmen zu wollen. Hoffentlich geht das gut aus!

Alles in allem ist „bubu“ zuzustimmen, der davon spricht, dass der Papst deutsche Top-Journalisten eingewickelt habe. Anders ist die doch mehrheitlich euphorische und schon beinahe kitschige Berichterstattung nicht zu erklären.
Meint

Sebastian Weigle

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