Ich möchte fast behaupten, es geht darum, ein künstliches Thema in Reutlingen zu schaffen: Beim (im Übrigen wenig besuchten) Podium der IHK wurde vom CDU-Fraktionsvorsitzenden der Vorschlag aufgebracht, das Rathaus abzureißen und dort eine Mall zu erstellen. Mein geschätzter Ratskollege Karsten Amann meint in seinem Blog nun, dass diese Idee interessant sei. Ich bin meinem Fraktionsvorsitzendem Helmut Treutlein dankbar, dass er deutlich Stellung dagegen bezogen hat.
Es gibt gute Gründe, warum dieser Vorschlag abzulehnen ist:
1. An den Problemen der Stadt vorbei
Der Vorschlag geht an den Problemen unserer Stadt vorbei: Ein Neubau würde deutlich mehr als eine Sanierung des bisherigen Hauses kosten und würde auch nicht durch den Verkauf an einen Investor sich lohnen. Damit würden auf jeden Fall Kosten an der Stadt hängen bleiben, die summa sumarum höher wären als jede Alternative
2. Kaufkraftabzug aus der Innenstadt
Das Rathaus mit seinen Beschäftigten und seiner hohen Besucherdichte bringt als Objekt Kaufkraft in die Innenstadt. Viele, die dort arbeiten oder dort einen Termin haben, gehen noch in der Innenstadt einkaufen. Dies würde durch eine Randlage, getrennt durch die Barriere Karlstraße von der Innenstadt, in Zukunft wegfallen.
3. Brachen bleiben Brachen
Derzeit haben wir auch in der Innenstadt einen größeren Gebäudebestand, der Entwicklungsbedarf hat. Dazu gehört das Areal abwärts der Kreissparkasse, in dem derzeit ganz augenscheinlich noch nicht alles so entwickelt ist, wie es sein könnte. Durch die Preisgabe des Rathauses würden hier keine Impulse und kein Entwicklungsdruck entstehen. Deshalb ist es richtig: Planung dort und dann schauen, wo wir landen.
4. Keine Verdrängung der Demokratie und akzeptanz verschiedener Architektur-Epochen
Das Rathaus ist kein Schmuckstück. Richtig. Trotzdem steht es für einen wichtigen Teil der Reutlinger Geschichte und für eine Architektur-Epoche. Das klassische Reutlinger Abreissen halte ich für einen fatalen Weg. Zudem wird auch noch verdeutlicht, dass der Kommerz in Reutlingen Vorrang vor der Demokratie hat. Im Rathaus werden Entscheidungen getroffen, die im Alltag der Menschen Auswirkungen haben. Deshalb gehört es auch in die Mitte der Stadt. Das Rathaus ist nicht anonymes Verwalten (wie es die Kreissparkasse letztlich doch ist), sondern Teil des Lebens der Menschen. Hier wird geheiratet, gefreut, gelitten. Und das gehört mitten rein!
Soweit meine Meinung dazu.
Sebastian Weigle
P.S.: Diskutieren zum Thema Kommunalwahl kann man toll bei der SPD Reutlingen: Einfach auf http://reutlingen09.de und dann ab in die Community!

